Mark Schäfer

Mark Schäfer

Bankbetriebswirt und European Business Coach

Wie viele ETFs brauche ich?

Immer wieder lese ich in verschiedenen Foren die Frage, ob man zu seinem bestehenden ETF-Portfolio nicht noch mindestens einen weiteren ETF hinzunehmen sollte.

Die meisten ETF-Sparer haben das „Grundportfolio“ 70% MSCI World (Industrieländer) und 30% MSCI EM (Emerging Markets = Schwellenländer) oder einen MSCI ACWI (All Country World Index = Industrie- und Schwellenländer).
Jetzt kommen häufig Fragen wie:
„Mir ist die USA zu stark gewichtet, soll ich nicht noch einen Eurostoxx hinzunehmen“ oder „wäre es nicht sinnvoll auch Smallcaps (Nebenwerte) hinzuzunehmen“.
Da man aus den Fragen herauslesen kann, dass sich der Fragesteller offensichtlich mit seinen ETFs beschäftigt hat und bewusst mehr Europa oder ein paar Smallcaps hinzufügen möchte, könnte es, je nach seiner Strategie, tatsächlich Sinn machen, einen weiteren ETF zu seinem Grundportfolio dazu zu nehmen.

Lese ich aber:
„Ich habe ein MSCI World und möchte den Nasdaq 100 oder den S&P 500 dazu nehmen“ möchte ich schon gerne darauf hinweisen, dass die USA schon über die Hälfte des MSCI World ausmachen (Stand Oktober 2019: 60,7%).

Mit dem MSCI World hat man über 1600 verschiedene Unternehmen. Nimmt man noch einen MSCI EM hinzu, welcher über 800 weitere Unternehmen verfügt, ist man in über 2400 Unternehmen investiert. Ist das nicht diversifiziert genug?

Es gibt sehr viele ETFs über Länder und Sektoren verteilt.
Viele versuchen noch etwas mehr aus Ihren ETFs rauszukitzeln, indem sie „Automation & Robotics“ oder „Cyber Security“ kaufen.
Man glaubt, damit in die Zukunft zu investieren. Alles schön und gut, aber sind Zukunftslorbeeren nicht schon eingepreist?

Auch ich habe anfänglich im Optimierungswahn mal diesen und mal jenen ETF hinzugekauft.
Am Ende stellt man aber fest, dass viele gleiche Werte in mehreren ETFs vorhanden sind und man keine vernünftige Strategie oder Gewichtung hat. So hat man zum Beispiel Apple oder Microsoft in drei verschiedenen ETFs in seinem Portfolio.
Außerdem wird es bei mehreren ETFs auch aufwendiger, alles jährlich zu rebalancen (Rebalance: Ursprungsgewichtung wieder herstellen, z. Bsp. 70 % MSCI World und 30 % MSCI EM).

Würde ich heute noch mal von vorne anfangen, würde ich nach der „keep-it-simple-Strategie“ machen und einfach einen MSCI World ACWI nehmen (alternativ das Konkurrenzprodukt FSTE All World von Vanguard).
Es gibt auch ETFs mit der Endung imi, zum Beispiel den MSCI World Investable Market Index (IMI), in dem auch Smallcaps enthalten sind, aber ob man das braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Kernaussage dieses kurzen Artikels soll sein:

Mach es nicht zu kompliziert.
Verschwende keine Zeit mit dem Überlegen, wie Du anfangen sollst, sondern fange einfach an.
Auch die Suche nach dem besten ETF wirft Dich nur zurück.
Natürlich sollst Du vergleichen und verstehen, in was Du investierst, aber den perfekten ETF, welcher auch morgen noch der beste Fonds ist, wirst Du nicht finden.
Heute ist der ETF ABC kostenlos besparbar und relativ günstig, nächstes Jahr fliegt er aus der kostenlosen Aktion raus und ETF XYZ wird kostenlos besparbar.
Es wird immer wieder neue Produkte geben, aber das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden.

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