Mark Schäfer

Mark Schäfer

Bankbetriebswirt und European Business Coach

Rebalancing – die Wiederherstellung der Ursprungsgewichtung

Ein Leser schrieb mich mit der Bitte an, einmal das Thema Rebalancing zu behandeln.
Beim Rebalancing reden wir über die Wiederherstellung der Ursprungsgewichtung.

Um das Ganze genauer zu beschreiben, spielen wir mal folgendes Beispiel durch:

Wir haben 10.000 Euro, welche wir zur Hälfte in einem risikoarmen Teil (in diesem Beispiel Tagesgeld) und zur anderen Hälfte in einem risikobehafteten Teil (in diesem Beispiel ETF) anlegen möchten..
Also packen wir 5.000 Euro auf ein Tagesgeldkonto und 5.000 Euro investieren wir in ein ETF.

Das Tagesgeldkonto wird jährlich mit 0,1% verzinst und unser ETF erwirtschaftet nach einem Jahr 7% Zinsen. Jetzt haben wir nach einem Jahr auf unserem Tagesgeldkonto 5.005 Euro und in unserem ETF-Depot 5.350 Euro. Also stimmt unsere Zielgewichtung von 50% Tagesgeld und 50% ETF nicht mehr.

Um diese Zielgewichtung zu behalten, empfiehlt es sich, regelmäßig ein Rebalancing durchzuführen.
Rein rechnerisch müssten wir jetzt ETF-Anteile im Wert von 172,50 Euro verkaufen und das Geld auf unser Tagesgeldkonto überweisen.
Dann hätten wir theoretisch auf beiden Seiten 5.177,50 Euro und somit wieder gleich viel. Das wäre eine Möglichkeit des Rebalancings, aber bei dieser Methode müssen wir Gebühren und Steuern beim ETF-Verkauf bezahlen.

Kostengünstiger wäre es, einfach 345 Euro, welche wir separat übers Jahr gespart haben, auf das Tagesgeldkonto zu überweisen. Dann haben wir 5.350 Euro auf dem Tagesgeld und die gleiche Summe wieder in ETF investiert.

Haben wir Sparpläne laufen, zum Beispiel 100 Euro pro Monat auf ein Tagesgeldkonto und 100 Euro monatlich in ETF, so könnten wir einmal jährlich die Sparsumme dahin ändern, dass wir in einem Monat weniger in den ETF einzahlen, dafür mehr auf das Tagesgeldkonto überweisen.
Würden wir dieses Vorgehen einmal jährlich durchführen, hätten wir unsere Zielgewichtung wieder hergestellt.

Rebalancing in einem Multi-Asset-Depot:

Hier reden wir über das Rebalancing innerhalb unserem risikobehafteten Teil:
Nehmen wir mal an, wir möchten 70% MSCI World und 30% MSCI EM haben und investieren dementsprechend.
Gehen wir mal wieder von 10.000 Euro aus, dann sind es 7.000 Euro MSCI World und 3.000 Euro MSCI EM. Nach einem Jahr hat der MSCI World 7% Rendiete gemacht, der EM 1% Jetzt hat der MSCI World einen Wert von 7.490 Euro und der MSCI EM von 3.030 Euro Also haben wir jetzt ein Depotwert von 10.520 Euro.
Nach dem ersten Jahr verschiebt sich die Gewichtung noch nicht so stark, aber es verschiebt sich immer weiter. Also sollte man auch hier ein Auge drauf halten und bei Bedarf die Gewichtung wieder herstellen.

Warum sollte man überhaupt rebalancen, wenn doch der besser laufende Kurs stärker gewichtet ist und der schlechtere niedriger?

Damit man antizyklisch handelt und von einem Phänomen profitiert, welches sich Mean Reversion nennt und die die Rückkehr zum Mittelwert bezeichnet. Man geht davon aus, dass Kurse wieder zum Mittelwert zurückkehren. Läuft ein Kurs überdurchschnittlich gut, wird er irgendwann auch mal schlechter laufen. Genauso ist es umgekehrt. Läuft ein Kurs unterdurchschnittlich, hofft man auf eine Erholung. Außerdem bleibt man seiner ursprünglichen Strategie treu.

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