Mark Schäfer

Mark Schäfer

Bankbetriebswirt und European Business Coach

Gute Geldanlage finden: Bankberater oder YouTube?

Die niedrigen Zinsen – in vielen Fällen mittlerweile sogar Strafzinsen – zwingen viele Deutsche zum Handeln. War noch vor zehn oder 20 Jahren das Sparbuch das Allheilmittel des sicherheitsorientierten Sparers, suchen viele nun nach Alternativen. Welche Möglichkeiten Du als Geldanleger hast, um eine für Dich passende und gute Geldanlage finden zu können, verdeutlichen die drei in diesem
Artikel beschriebenen Lösungen.

Ausgangssituation

„Früher gab es noch acht Prozent Zinsen!“ war ein Satz meiner Oma, der mir immer noch in den Ohren klingt. Und tatsächlich: Als ich als Kind regelmäßig – oder zumindest am Weltspartag – zu Herrn Kober von der Post ging, um meine Spardose auszuleeren, staunte ich nicht schlecht: Schon wieder ein Nachtrag im Sparbuch, schon wieder sechs Prozent Zinsen, schon wieder mehr Geld, von dem ich mir künftig mehr Spielzeug kaufen könnte.

Ich hätte allerdings kein Studium der Bankbetriebswirtschaftslehre benötigt, um zu erkennen, dass diese Zeiten lang vorbei sind und wir Sparer heute vor einer ganz anderen Herausforderung stehen. Durch die niedrigen Zinsen wird mein Geld immer weniger wert. Denn immer, wenn die Preissteigerungen – also die Inflationsrate – oberhalb der Verzinsung meiner Geldanlagen liegen, verbrennen wir Geld. Alles wird teurer, aber mein Geld wird durch ausbleibende Zinsen eben nicht mehr, weil schlichtweg nichts dazukommt. Oder mir mittlerweile sogar im Rahmen von Strafzinsen Geld weggenommen wird. Da hilft es nichts, dass Banken den Begriff Strafzinsen gerne durch die Floskel „Verwahrentgelt“ ersetzen. Die Situation der Entstehung dieser Niedrigzinsphase ist vielschichtig und ich werde das auch in einem anderen Beitrag aufgreifen.

Aber die Situation ist wie sie ist: Wir müssen uns nach Alternativen zum Sparbuch und Tagesgeld umschauen, wenn wir unseren Lebensstandard zumindest halten wollen. Dazu sehe ich für den deutschen Sparer grundsätzlich drei Möglichkeiten, eine gute Geldanlage finden zu können, die sich vor allem durch den erforderlichen Zeitaufwand und die Kosten unterscheiden:

Lösung 1: Anlageberatung bei einer Bank oder einem Finanzvermittler

Der vermeintlich einfachste, bequemste Weg ist der zur nächstgelegenen Bank oder Sparkasse – ggf. auch zu einem Finanzvermittler, der sozusagen als Makler auftritt. Dort werden wir mit Kaffee und Sitzplatz verwöhnt und durch viele Fragen seitens des Beraters oder der Beraterin durchlöchert. Und das ist auch gut so: denn nur wer viele Fragen stellt und sich ernsthaft für uns interessiert, kann uns am Ende des Gesprächs auch eine passende Geldanlage empfehlen.

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Vorteile der Bankberatung

Der Vorteil dieser Lösung liegt klar auf der Hand: Am Ende des Gesprächs bekommen wir (hoffentlich) eine klare Empfehlung, welche Geldanlage für uns die passende ist und wie viel wir von unserem Ersparten darin anlegen sollten. Das bedeutet: mit minimalem Zeitaufwand haben wir eine oder zwei Lösungen auf dem Tisch liegen, bei denen wir dann nur noch „ja“ sagen müssen. Dann wird das auch noch alles für uns in die Wege geleitet. Gerade ältere Menschen wählen nach wie vor diesen Weg, um Geld anzulegen, weil sie schlichtweg die Alternativen nicht kennen. Und nehmen dabei einen enormen Nachteil in Kauf:

Nachteile der Bankberatung

Die Kosten! Die Bequemlichkeit hat nämlich einen enormen Preis. Tagesgeld und kurze Festgelder – also die Anlagen, mit denen grundsätzlich keine Gebühren verbunden sein sollten – sind für die Bank in Zeiten von Niedrig- und Strafzinsen ein Verlustgeschäft. Auf eine klare Empfehlung für diesen Bereich können wir oft lange warten, wenn wir auf der Suche nach einer passenden Geldanlage sind.

Fonds und teure Versicherungen sind dagegen schon hilfreicher, wenn es für die Bank darum geht, die Provisionen zu steigern, weil sie auf der Zinsseite immer weniger verdienen kann. Insofern stehen solche Geldanlagemöglichkeiten eher im Vordergrund. Und mal ehrlich: Da sitzt jemand, der uns erst einmal eine kostenfreie Beratung erbringt. Natürlich kann ich dann bereit sein, auch mal eine höhere Provision zu bezahlen – dann muss aber auch die Leistung stimmen. Bedeutet: Ich muss mich mit der Beratung und vor allem mit der klaren Empfehlung wohlfühlen. Ich habe mir schließlich die auch Zeit eingespart, selbst eine gute Geldanlage finden zu müssen.

Zudem ist die Frage, ob die Bankberatung auch wirklich immer unabhängig erfolgt. In den meisten Gesprächen, die ich begleitet habe, stand immer der Kunde mit seinen Wünschen und Anliegen im Mittelpunkt. Oft konnte aber nur die zweit- oder drittbeste Lösung des Marktes empfohlen werden, da Banken in der Regel über begrenzte Angebotspaletten verfügen. Also nur Verträge von bestimmten Versicherungen vermitteln oder nur mit einer oder zwei Fondsgesellschaften zusammenarbeiten. Macht auf der einen Seite Sinn: Die Bankberater sollen sich ja auch mit den Produkten auskennen. Und das kann nunmal keiner, der auf alle Produkte der Geldanlage zugreifen kann. Auf der anderen Seite bleibt bei uns Geldanlegern oft das Gefühl, dass es vielleicht doch noch eine bessere Geldanlage gegeben hätte, die zu uns passt. Das kann ich versuchen herauszufinden. Beispielsweise mit Lösung 2:

Lösung 2: Selbststudium, um eine gute Geldanlage finden zu können

Das Internet hat unsere Welt verändert. Auch im Bereich der Geldanlage ist das so. Wer heute Geld anlegen möchte, und seiner Bank nicht mehr vertraut, startet eine Google-Suche. Schnell wird klar, dass es unfassbar viele Möglichkeiten gibt, sich selbst mit dem Thema Geldanlage zu befassen.

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Vorteile des Selbststudiums von Geldanlagen

Das Selbststudium verschafft uns die Möglichkeit, einen Einblick in alle Arten von Anlagemöglichkeiten zu bekommen und so eine für uns gute Geldanlage finden zu können . Wir können uns aufgrund der Vielzahl an Informationen ein eigenes Bild machen, welche Geldanlagen zu uns passen könnten. Wir können tief in die einzelnen Anlagen einsteigen und stellen relativ schnell fest: Es geht ja auch günstig! Dass es keine fünf Prozent Ausgabeaufschlag wie in der Bankberatung sein müssen, ist uns nach der ersten Stunde Recherche klar. Ähnliche Produkte gibt es auch ohne solch hohe Gebühren – ich muss es nur wissen.

Vertiefung des Wissens grenzenlos möglich

Für einige von uns beginnt mit dieser ersten Google-Anfrage ein spannender Weg. Wir entdecken immer neue Anlagemöglichkeiten, schauen uns hunderte Videos auf YouTube an und lesen die angesagtesten Bücher zum Thema Geld anlegen. Wir können das soweit treiben, dass wir nach einigen Jahren zu richtigen Anlageexperten werden, wenn wir genug Zeit investieren. Und das ist auch gleichzeitig der Haken:

Nachteile des Selbststudiums von Geldanlagen

Die Summe an Informationen im Internet zum Thema Geldanlage ist unüberschaubar groß. Viele von uns verzweifeln schon nach wenigen Minuten auf der Suche nach einer guten Geldanlage, weil die Suchtreffer höchst unterschiedlich und zahlreich sind. Wir wissen gar nicht mehr, auf was wir zuerst klicken sollen. Zudem gibt es gerade bei YouTube derart viele Videos zum Thema Geldanlage, dass ein strukturierter Wissensaufbau nur schwer möglich ist. Klar kann ich nach dem Motto vorgehen: Viel konsumieren wird schon viel helfen. Viele von uns geben dabei aber überfordert auf und gehen dann doch lieber zur Bankberatung. Ist dann doch irgendwie einfacher. Und da sind wir uns auch sicher, dass das Gegenüber zumindest eine Bankausbildung gemacht hat, was auf YouTube nicht zwingend gewährleistet sein muss.

Lösung 3: Onlinekurse = Vereinfachtes Selbststudium

Das vereinfachte Selbststudium zum Thema Geldanlage ist aus meiner Sicht der goldene Mittelweg, um eine gute Geldanlage finden zu können. Es gibt mittlerweile einige Kursanbieter, die sich die Mühe gemacht haben, das Thema Geld anlegen in einer logischen Reihenfolge aufzubereiten. Bei manchen müssen wir alles lesen, was aus Sicht des Kursautors wichtig ist, um Geld anlegen zu lernen. Andere stellen Videokurse zur Verfügung, um das Lernen noch leichter und bequemer zu machen.

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Vorteile von Onlinekursen, um Geld anlegen zu lernen

Gute Onlinekurse haben einen klaren Aufbau. Das erleichtert uns als Sparer, die Gedanken des Autors nachzuvollziehen und selbst zu verstehen, warum dies und das jetzt für uns wichtig ist. Die Kurse sind in der Regel sehr kompakt, sodass ich in wenigen Stunden alles relevante Wissen aufsaugen und dann auch schnell umsetzen kann. Oft werden Materialien und Arbeitsblätter in den Onlinekursen mitgeliefert, um die Umsetzung zu erleichtern bzw. zeitnah ins Rollen zu bringen.

Kursautor nimmt uns viel Arbeit ab

Der Autor hat uns die Arbeit des Selbststudiums abgenommen und in der Vergangenheit und Gegenwart eigenen Wissensaufbau betrieben. Entweder durch eine qualifizierte Ausbildung oder eben durch eigenes Selbststudium. Das ist dann in der Regel im Lebenslauf des Kursautors erkennbar, mit dem wir uns beschäftigen sollten, bevor wir einen Kurs buchen.

Geringere Kosten als in der Bankberatung

Die Kosten sind dabei natürlich deutlich geringer als die einer Bankberatung. Dennoch müssen wir die 150 bis 500 Euro Kursgebühr, die durchschnittlich für einen guten Einsteigerkurs fällig wird, ins Verhältnis zu unserer Geldanlagesumme setzen. Für einen Sparplan über 50 Euro im Monat kann es daher eher Sinn machen, dass wir uns komplett im Selbststudium damit beschäftigen. Für eine Geldanlagesumme ab 10.000 Euro lohnt sich der Onlinekurs aber allemal im Vergleich zur Bankberatung.

Nachteile von Onlinekursen

Wir verlassen uns auf den Autor, der uns das Thema Geldanlage im Onlinekurs erklärt. Das ist erstmal kein Unterschied im Vergleich zur Bankberatung. Allerdings trägt der Bankberater die Kompetenzvermutung schon auf seiner Visitenkarte. Wir verlassen uns darauf, dass die Bank ausreichend Geld in die Weiterbildung des Beraters investiert hat, damit er uns eine passende Empfehlung geben kann. Der Autor eines Onlinekurses hat diese Kompetenzvermutung erstmal nicht auf den ersten Blick. Hier müssen wir uns intensiver damit beschäftigen, wer uns da etwas zum Thema Geldanlage erklären möchte, damit wir am Ende auch wirklich eine gute Geldanlage finden, die zu uns passt.

Testvideos nutzen

Ob ich den Typen kompetent und sympathisch finde, kann ich in der Regel schnell herausfinden. Seriöse Anbieter von Onlinekursen bieten uns die Möglichkeit, mal in die kostenpflichtigen Kurse hineinzuschnuppern – also einige Videos des Kurses ganz oder teilweise anzuschauen. Das sollten wir unbedingt nutzen, bevor wir das Geld investieren.

Keine Anlageberatung

Onlinekurse zum Thema Geldanlage sind nicht mit einer Anlageberatung gleichzustellen. Darauf weisen seriöse Anbieter auch regelmäßig hin. Die Anlageberatung hat am Ende eine klare Empfehlung zu einem Produkt oder einer Lösung aus mehreren Produkten.

Im Geldanlagebereich müssen diese Empfehlungen sogar schriftlich dokumentiert werden. Das schreibt der Gesetzgeber vor. Entwickelt sich die Anlage nicht so, wie von uns erwartet, können wir auf die Bank zugehen und sagen: „Ey, Ihr habt uns falsch beraten!“. Wird aber nix helfen: die Bank wird uns ein Beratungsprotokoll vorlegen, aus dem klar ersichtlich ist, dass wir über alle Risiken aufgeklärt wurden. Und damit ist die Bank in der Regel aus ihrer Verantwortung entbunden. Ist also die Frage, wem diese Beratungsdokumentation mehr hilft. Uns als Sparer oder der Bank.

Onlinekurse haben nicht den Anspruch, uns am Ende das eine passende Produkt zu empfehlen. Es geht mehr darum, die passenden Grundlagen zu erlernen, Tools und Internetseiten kennenzulernen, die für eine passende Geldanlage hilfreich sein können. Also ein klassischer Coaching-Ansatz: Hilfe zur Selbsthilfe. Viele Kursteilnehmer werden durch eine Teilnahme an einem Onlinekurs süchtig nach dem Thema Geldanlage. Der Kurs ist der Einstieg in das Selbststudium, da nun die vorhandenen Grundlagen vorhanden sind, damit sich der Dschungel an Informationen für uns lichtet.

Fazit: Gute Geldanlage finden: Bankberatung oder YouTube?

Wie immer, wenn es darum geht, Geld sinnvoll anzulegen, gilt: Es ist höchst individuell, welcher Weg für uns der richtige ist.

Legen wir Wert darauf, uns um nichts kümmern und uns keine Informationen besorgen zu müssen, sind wir in der Bankberatung sehr gut aufgehoben. Zumal uns – zumindest gefühlt – die Verantwortung für die Anlageentscheidung abgenommen wird, auch wenn das aufgrund des Beratungsprotokolls natürlich nicht der Fall ist. Die enormen Gebühren, die mit weiterhin niedrigen Zinsen tendenziell noch steigen werden, muss ich dabei in Kauf nehmen – als Gegenleistung für eine gute Beratung.

Das Selbststudium kann schnell völligst ausarten. Sowohl im Umfang, als auch in der Motivation. Wenn wir feststellen, wie unfassbar viele Informationen es gibt, um Geld richtig anzulegen, hören wir vielleicht schnell wieder auf.

Onlinekurse, um Geldanlage zu lernen, können für uns der ideale Mittelweg sein. Deutlich günstiger als so manche Anlageberatung, dennoch mit überschaubaren Zeitaufwand und somit weiterhin Zeit für Dinge, die uns möglicherweise wichtiger sind als die Frage, wie wir unser Geld richtig anlegen sollten.

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